Januar 2026
Grabstelle Sembrich auf dem Johannisfriedhof

Auswahl: Persönlichkeit
Die Grabstelle Stengel-Sembrich ist eine Wandgrabstelle in der Höhe der Grababteilung 4.D, gelegen auf der Rückseite der Ulmenhauptallee. Auf den ersten Blick wirkt sie zurückhaltend und unscheinbar – doch sie bewahrt die Erinnerung an eine außergewöhnliche Frau, deren Name bis heute in der internationalen Operngeschichte nachklingt: Marcella Sembrich.
Marcella Sembrich (1858–1935)
Marcella Sembrich gilt als eine der bedeutendsten Koloratursopranistinnen ihrer Epoche. Ihre außergewöhnliche Stimme, ihre technische Brillanz und ihre künstlerische Ausdruckskraft machten sie zu einer gefeierten Persönlichkeit auf den großen Opernbühnen Europas und Amerikas – in Wien, Dresden und insbesondere in New York.
Geboren als Marcella Kochanska in Galizien, wuchs sie als eines von zwölf Kindern auf. Ihren ersten Musikunterricht erhielt sie von ihrem Vater, der als Violinist und Musiklehrer tätig war. Schon früh zeigte sich ihre außergewöhnliche musikalische Begabung, die konsequent gefördert wurde. Im Alter von elf Jahren begann sie ihr Studium am Konservatorium in Lemberg, wo sie vier Jahre lang Klavier bei Wilhelm Stengel studierte. Er wurde später ihr Ehemann und langjähriger Manager – eine prägende Partnerschaft sowohl privat als auch künstlerisch.
Nach ihrem Debüt in Athen führten Marcella Sembrichs Engagements sie auf die bedeutendsten Opernbühnen Europas. Sie war unter anderem Solistin in Dresden und über viele Jahre hinweg eine der prägenden Künstlerinnen der Metropolitan Opera in New York, wo sie internationale Maßstäbe setzte und Operngeschichte schrieb.
Marcella Sembrich verstarb am 11. Januar 1935 in New York an den Folgen einer Asthmaerkrankung. Ihrem ausdrücklichen Wunsch entsprechend wurde sie am 17. April 1935 neben ihrem Ehemann in der Familiengruft auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Die aufwendige Überführung ihres Sarges organisierte ihr Sohn: von New York über Southampton nach Bremen auf dem Seeweg und anschließend per Eisenbahn über Leipzig nach Dresden.
Neben ihrer aktiven Bühnenkarriere widmete sich Marcella Sembrich intensiv der musikalischen Ausbildung. Ihr künstlerisches Vermächtnis wird bis heute lebendig gehalten: Bereits 1937, nur zwei Jahre nach ihrem Tod, wurde in Bolton Landing im Bundesstaat New York das Marcella Sembrich Museum eröffnet. Das Museum befindet sich in ihrem ehemaligen Sommerhaus am Lake George und widmet sich der Bewahrung ihres Lebenswerks. Es beherbergt persönliche Gegenstände, Bühnenkostüme, Dokumente und Musikalien und ist zugleich ein kultureller Ort für Konzerte, Ausstellungen und musikpädagogische Programme. Damit wirkt Marcella Sembrichs Einfluss weit über ihre Lebenszeit hinaus und verbindet europäische Operntradition mit amerikanischer Musikgeschichte.
Heute befindet sich die Grabstelle im Eigentum der Friedhofsverwaltung. Im Jahr 2014 konnte sie dank der Unterstützung der Polnischen Botschaft sowie des Polnischen Konsulats in Dresden umfassend saniert werden. So bleibt dieser Ort ein würdiges und stilles Denkmal für eine Künstlerin von internationalem Rang, deren Stimme und Wirken bis heute nachhallen.

Text und Foto Grabstätte B. Teichmann, Porträt M. Sembrich: Wikipedia