April 2026

Grabstätte Alexe Grahl auf dem Trinitatisfriedhof

Auswahlkriterium: Persönlichkeit

Die Grabstätte von Alexe Grahl befindet sich in der von Gottfried Semper entworfenen Grabstelle für Rosa Oppenheim (3. Bogen 16), der Gemahlin des Bankiers Martin Wilhelm Oppenheim (1781–1863). Alexe Grahls Vater, August Grahl (1791–1868), war der Schwiegersohn Oppenheims. Alexe Grahls Namen sowie die Geburtsdaten sind auf der rechten Tafel verzeichnet. Das Grabmal steht unter Denkmalschutz.

Alexandrine Rosa Elisabeth „Alexe“ Grahl (*31. August 1844 in Dresden; †13. Mai 1903 ebenda) war eine deutsche Amateurfotografin aus einer wohlhabenden bürgerlichen Familie. Als Tochter des Malers August Grahl erhielt sie eine vielseitige künstlerische Ausbildung mit Zeichen-, Musik- und Tanzunterricht und wuchs in einem kulturell geprägten Umfeld auf. Ihr Onkel Alexander Oppenheim (1819–1898) war ebenfalls als Fotograf tätig.

Besonders geprägt von der naturverbundenen Tradition ihrer Familie entwickelte sie ihre Leidenschaft für die Fotografie, für Frauen ihrer Zeit eine ungewöhnliche Beschäftigung. Ihre Fotografien machen deutlich, dass sie dem Betrachter durch bewusste künstlerische Gestaltung mehr als nur eine bloße Abbildung vermitteln wollte. Für sie war das Fotografieren eine Fortführung künstlerischen Schaffens mithilfe moderner Technik. Dabei entstanden ausdrucksstarke Bilder mit eigenständigem künstlerischem Wert. Ihre Werke umfassen vor allem Blumenstillleben, Porträts sowie inszenierte Figurenstudien, in denen sie Familienmitglieder häufig in enger Verbindung zur Natur darstellte.

Grahl lebte überwiegend in Dresden und im sommerlichen Familienanwesen in Loschwitz, wo der Großteil ihrer Fotografien entstand. 1897 beteiligte sie sich mit einer Aufnahme (Elbüberschwemmung 1890) an einem internationalen Fotowettbewerb. Ihre Arbeiten blieben lange im Familienbesitz, wurden teilweise durch Kriegsverluste dezimiert und erst später wiederentdeckt.

Text U. Möller, Foto M. Kaden