Mai 2026
Grabstätte Back auf dem Johannisfriedhof
Auswahl: Persönlichkeit
Die Grabstätte Back befindet sich in der Grababteilung 2.G schräg rechts hinter der Feierhalle. Die Grundform des Sandsteingrabmals erwartet man nicht in dieser Abteilung, sie erinnert an eine stilisierte Blüte. Im „Frauengräberplan“ ist sie unter der Nummer 5 zu finden
Grete (Margarte) Back – Fotografin zwischen Kunst und Handwerk
Grete Back gehört zu den prägenden Fotografinnen Dresdens und zählt zu den frühen Pionierinnen ihres Fachs. Als eine der ersten Frauen, die sich in der Fotografie selbstständig machten, verband sie handwerkliche Präzision mit einem ausgeprägten künstlerischen Anspruch – und schuf damit ein Werk, das bis heute beeindruckt.
Geboren als Margarete Bertha Back am 9. März 1878 in Bad Schandau, wuchs sie vermutlich in Dresden auf, wo ihre Familie lebte. Über ihre frühen Jahre ist wenig bekannt, doch ihr beruflicher Weg zeigt eine klare Zielstrebigkeit: 1907 begann sie ihre Ausbildung beim renommierten Dresdner Porträtfotografen Hugo Erfurth. Bereits ein Jahr später schloss sie diese erfolgreich ab und setzte ihre Ausbildung international fort – zunächst in Den Haag, anschließend in London. Diese Stationen prägten ihren Blick für Licht, Inszenierung und Ausdruck nachhaltig und legten den Grundstein für ihren späteren Stil.
Schon 1909 eröffnete Grete Back in Dresden-Blasewitz ihr eigenes Atelier – ein bemerkenswerter Schritt in einer Zeit, in der Frauen in diesem Berufsfeld noch stark unterrepräsentiert waren. Mit der Fotografengehilfeprüfung (1910) und der Meisterprüfung an der Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie in München (1911) untermauerte sie ihr Können und etablierte sich endgültig als professionelle Fotografin. Ihr Atelier entwickelte sich schnell zu einer gefragten Adresse für künstlerische Fotografie, insbesondere für anspruchsvolle Porträts.
Im Zentrum ihres Schaffens stand die Porträtfotografie. Grete Back verstand es, Menschen mit großer Sensibilität und Klarheit darzustellen. Ihre Bilder zeichnen sich durch eine reduzierte, oft minimalistische Inszenierung aus – häufig vor schwarzem oder hellem Hintergrund – wodurch die dargestellten Personen besonders intensiv zur Geltung kommen. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten Kinderporträts, für die sie weit über Dresden hinaus bekannt wurde. Darüber hinaus fotografierte sie Rollenporträts von Künstlerinnen und Künstlern, die unter anderem in Programmen des damaligen Königlichen Hoftheaters (heute Semperoper) beworben wurden.
Neben der Porträtfotografie widmete sich Grete Back auch weniger bekannten Motiven: Ihre Pflanzenstudien, meist im Studio vor dunklem Hintergrund aufgenommen, wirken durch gezielte Lichtführung fast plastisch und zeigen ihren experimentellen Umgang mit Form und Struktur. Auch Landschaftsaufnahmen gehörten zu ihrem Repertoire, sind jedoch heute größtenteils nicht mehr erhalten.
Grete Back war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL), einer wichtigen Vereinigung für künstlerische Fotografie. Durch diese Vernetzung nahm sie an zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen teil und erhielt mehrfach Auszeichnungen für ihre Arbeiten. Noch Jahrzehnte später wurde ihr Werk gewürdigt, etwa 1970 im Museum Folkwang in Essen, das sie im Rahmen einer Ausstellung als „Altmeisterin“ der Fotografie ehrte.
Ihr Atelier war nicht nur Produktionsstätte, sondern auch Ausbildungsort: Über 50 Schülerinnen und Schüler wurden von ihr unterrichtet. Damit leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Weitergabe fotografischen Wissens und zur Professionalisierung des Berufs. Unterstützt wurde sie dabei von Assistentinnen, die unter anderem für die aufwendige Retusche der Fotografien zuständig waren.
Grete Back starb am 27. Juni 1965 in Dresden und wurde am 1. Juli in der Familiengrabstätte bestattet.
Ein großer Teil ihres fotografischen Nachlasses ging nach ihrem Tod verloren: Beim Verkauf ihres Hauses wurde eine umfangreiche Sammlung von Glasplattennegativen entdeckt, jedoch größtenteils entsorgt. Nur ein kleiner Teil konnte gerettet werden und befindet sich heute unter anderem in der Deutschen Fotothek, im Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie im Stadtmuseum Dresden.
Trotz dieses Verlustes bleibt Grete Back eine bedeutende Figur der Fotogeschichte. Ihr Werk steht für eine klare, moderne Bildsprache, für Sensibilität im Umgang mit Menschen und für den Mut, neue Wege zu gehen – als Fotografin, Unternehmerin und Ausbilderin in einer Zeit des Umbruchs.
Text B. Teichmann; Fotos B. Teichmann; SLUB – Deutsche Fotothek

